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Projekt “Jugendhilfe/Schule 2020“


Die Oberschule Wünsdorf arbeitete bereits von 2008 bis 2015 gemeinsam mit einem freien Träger in einem „Integrierten Projekt von Jugendhilfe und Schule zur Vermeidung von Schulabbrüchen bei schulverweigernden Jugendlichen“ zusammen.

Die Oberschule Wünsdorf möchte auf Grund der positiven Erfahrungen am Projekt „Jugendhilfe/Schule 2020“ nach dem Modell B teilnehmen.

Unsere Schule

Die Oberschule Wünsdorf ist eine zweizügige Oberschule in der Großgemeinde Zossen im Ortsteil Wünsdorf. Der Ortsteil Wünsdorf ist im Besonderen gekennzeichnet durch das seit 1999 zunehmend dicht besiedelte Einzugsgebiet „Waldstadt“, eine früher durch sowjetische Streitmächte militärisch genutzte Liegenschaft, die mit ihrer militärhistorischen Vergangenheit dem Ort einen besonderen Charme verleiht. Hier haben sich auch einige soziale Brennpunkte gebildet, deren Auswirkungen wir u.a. im Schulprogramm Rechnung tragen. So gibt es u.a. eine ca. 200köpfige Gruppe von Mennoniten (sogenannte Rußlanddeutsche) sowie einen hohen Anteil an Sozialbauten, in denen sozial schwache Einwohner, darunter viele Familien, wohnen. Dem Rechnung tragend bilden die zahlreichen sozialen Aktivitäten und das umfangreiche Berufsorientierungsprogramm (Praxislernen, Berufseinstiegsbegleitung etc.) der Schule entsprechende Schwerpunkte im Schulprogramm. Da dennoch nicht alle Schüler erreicht werden, soll durch das Projekt unterstützend eingegriffen werden.

Besondere Förderbedarfe bei Schülerinnen und Schülern der OS Wünsdorf, die für eine Teilnahme an einem Schulverweigererprojekt in Frage kämen, treten im sowohl sozialpädagogischen als auch im sonderpädagogischen Bereich auf.


Das Projekt

Das Projekt wird an einem außerschulischen Lernort durchgeführt und soll Schülern mit einschneidenden schulischen und sozialen Problemlagen ein Hilfsmittel sein, um sie für einen regelmäßigen Schulbesuch zu motivieren. Es sollen bis zu 12 Jugendliche der Region aufgenommen werden. Hierbei möchte die Oberschule Wünsdorf auch Schüler aus anderen Schulen entlang der Bahnlinie Blankenfelde-Baruth  bzw. im Einzelfall auch aus anderen Bereichen des Landkreises Teltow Fläming aufnehmen. Die Schüler werden bei Projekteintritt automatisch Schüler der OS Wünsdorf. Diese Vorgehensweise hat sich in der Vergangenheit bewährt.

 

Ziel des Projektes

Projektziel ist die Vermeidung von Schulabbrüchen, die Stabilisierung und Stärkung von Kompetenzen, der Erwerb eines Schulabschlusses und die Vorbereitung des Übergangs in eine berufliche Ausbildung.

Zielgruppe

Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 9 bis 10 mit schulverweigernden Tendenzen
Soziale Merkmale und besondere Förderbedarfe:
-    Sozial- /Bildungsbenachteiligte
-    Legastheniker
-    SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarfen
-    SuS mit sozialpädagogischem Unterstützungsbedarf
-    familiäre Probleme/Probleme im Elternhaus
-    Jugendliche in Heimunterbringung oder anderen betreuten Wohnformen
-    Drogenerfahrung, Missbrauchserfahrung
-    fehlende/geringe Sozialkompetenz
-    fehlendes Selbstwertgefühl

Umsetzung

Die Teilnehmer sollen durch Lehrkräfte der OS Wünsdorf im Umfang von 25 LWS in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften und WAT unterrichtet werden. Maßgeblich sind hier die Inhalte des Rahmenlehrplans Klasse 9. Die Stundentafel soll ergänzt werden durch eine umfängliche berufliche Frühorientierung im Rahmen von  Praxislernen und sozialpädagogische Angebote im Werk-, Kreativ- und/oder erlebnispädagogischen Bereich.
Die Lehrkräfte im Projekt sind verpflichtet an den Teamsitzungen, gemeinsamen Fortbildungen und der Supervision des Projekt-Teams teilzunehmen. Darüber hinaus haben sie mit dem Erstellen von Lernentwicklungsberichten, der Teilnahme an Entwicklungs- und Hilfeplangesprächen über den Unterricht hinaus reichende Verpflichtungen.
Die Verknüpfung der verschiedenen Lehrgebiete im Wochenplan veranschaulicht unten stehende Grafik. Sie stellt zugleich die gewünschte Korrelation von Inhalten und Formen der Umsetzung dar und zeigt die wesentlichen pädagogischen Werkzeuge zur Erlangung einer allumfassenden Ausbildungsreife der Teilnehmer.

Die Projektteilnehmer erhalten individuelle schulische Förderung in Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch, Englisch, Informatik, WAT und Lebenslehre. Diese orientiert sich an den Rahmenlehrplänen und findet in Kleingruppen, bei Bedarf auch als Einzelförderung und mit hohem Praxisbezug statt.
Ergänzt wird die Förderung je nach Einzelfall durch die Arbeit mit individuellen Förderplänen und die Koppelung mit produkt- und kreativorientierter Arbeit sowie praktischem Lernen an außerschulischen Standorten (betriebliche Praktika).

Das Fach Lebenslehre vereint schulische Inhalte der Fächer LER/WAT mit Alltags- und Sozialthemen wie z.B. Hauswirtschaft (Kochen, Einkaufen, Tagesabläufe), Partnerschaft (Familienplanung, zwischenmenschliche Kommunikation etc.) und ermöglicht den Jugendlichen den Erwerb und die Stabilisierung von Alltags- und sozialen Kompetenzen.

Ein weiterer Bestandteil des Unterrichts ist die aktive Berufsfrühorientierung. Die Erfahrungen aus dem praktischen Lernen werden schulisch be- und aufgearbeitet, z.B. im Rahmen der Facharbeit Klasse 9. Die Teilnehmer/innen erstellen im Deutschunterricht  ihre Bewerbungsunterlagen.
Um das Ziel der Einfachen Berufsbildungsreife zu erlangen, arbeiten die Lehrkräfte eng mit den einzelfördernden Kräften und Bezugsbetreuern des Trägers zusammen. Regelmäßige Teamsitzungen und Einzelgespräche bilden hierfür die Grundlage.

Beim praktischen Lernen wird jede Möglichkeit von Kontakten zur Arbeitswelt genutzt. Dafür werden Betriebe gewonnen, die bereit sind, schwierigen Jugendlichen Einsichten in ihre Abläufe zu gewähren und bei der Sozialisation derselben mitzuwirken. Die Betriebe können sich dadurch einen Fundus zukünftiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen. Erfahrungen aus den  vergangenen Jahren bestätigen diesen Ansatz, denn es ist bereits mehrfach gelungen, dass Jugendliche in ihren Praktikumsbetrieben eine Ausbildung beginnen konnten.


Erläuterungen zur Grafik:

Vier wichtige Bestandteile als Säulen zur erfolgreichen Bewältigung komplexer schulischer und sozialer Problemlagen sind nach Ansicht der Schule

1. die Schaffung der optimalen äußeren Bedingungen

2. die Einbeziehung der individuellen Persönlichkeit des Schülers oder der Schülerin

3. eine optimale Verknüpfung von „Theorie und Praxis“

4. die Schaffung eines optimalen Lernklimas

Alle vier Bestandteile des Erfolgsrezepts interagieren miteinander und sind deshalb als buntes, komplexes Kontinuum in der Grafik dargestellt.

 

Erläuterungen zum Lernkonzept:

1. Äußere Bedingungen
• optimale Rahmenbedingungen:Außerschulischer Lernort, Elternarbeit, sozialpädagogische Begleitung
• kleine Lerngruppen:Unterricht in Kleingruppen, Einzelunterricht
2. Persönlichkeit
• Individueller Lernprozess:Schüler und Schülerinnen brauchen Förderung um sich in ihrem eigenen Lerntempo und entsprechend ihrer persönlichen Fähigkeiten Wissen anzueignen
• Förderung von Sozialkompetenzen/ Persönlichkeitsentwicklung:Intensive Fördergespräche mit Einzelnen, Zielvereinbarungen
3. Praxis
• Kernfächer und praktischer Unterricht:Praxisbezogenes Arbeiten,  fächerübergreifendes Arbeiten in Projekten, Jugendprojektarbeit
• berufliche Orientierung:Praktika, Berufsvorbereitung, Bewerbungstraining
• Erfahrungen/Erlebnispädagogik:Erlebnispädagogische Angebote, Jugendprojektarbeit
4. Lernklima
• Anerkennung und Wertschätzung:Kleingruppenarbeit und Gruppengespräche

Schulpädagogische Unterrichtsarbeit und Leistungsbewertung

Wochentafel

Die Schüler werden unterrichtet mit dem Ziel des Erwerbs der einfachen Berufsbildungsreife, d.h. Abschlusszeugnis Klasse 9. Zum Erreichen dieses Ziels erhalten sie Unterricht in Kleinstgruppen, ggf. auch Einzelunterricht in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften und WAT (siehe Wochentafel). Die Fächer Gesellschafts- und Lebenslehre, Kultur, Sport, Kunst und Handwerk werden im Rahmen von Lebenslehre, Kreativ-, Werkstatt- und Projektarbeit (z.B. fächerübergreifende Projektarbeit) vermittelt.
Der Unterricht richtet sich nach den Alltagserfahrungen der Jugendlichen. Ein Leistungsdruck soll vermieden werden, um neue Versagensängste gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Die Vermittlung von Unterrichtsinhalten kann auch in die Gestaltung von Freizeitbereichen übergreifen. Im kommunikativen Bereich erhalten die Projektteilnehmer gezielte Förderung und Training im Rahmen des Faches Lebenslehre.
Die Leistungsbewertung erfolgt halbjährlich mit einem Zeugnis der OS Wünsdorf auf der Grundlage des Brandenburgischen Schulgesetzes. Darüber hinaus erhalten die Jugendlichen in der Tagesauswertung ein Feedback über ihre erbrachten Leistungen und nach Abschluss der Orientierungswochen erfolgen Bewertungen, die sich an den in der Schule üblichen Noten orientieren.

Als konkrete Leistung gelten hierbei verschiedene Aspekte:
- Anwesenheit
- soziale Kompetenzen
- produktive und kreative Tätigkeit

Hintergrund ist die Motivierung der einzelnen Jugendlichen und die Stärkung ihres Selbstwertgefühls
 

Praxisorientiertes Lernen

Praxisorientiertes Lernen und Absolvierung betrieblicher Praktika sind wichtige Methoden der Projektarbeit.
Mit den Jugendlichen werden Schritte festgelegt, die ihrer individuellen Zielplanung gerecht werden. Dazu gehört die Erstellung eines Kompetenzprofils, die Information über Berufsbilder im Rahmen des Deutschunterrichts (Facharbeit),  ebenso wie berufliche Praktika in unterschiedlichen Unternehmen der Region, aber auch in projektinternen Werkstätten. Während der Praktika führen die Teilnehmer einen Praktikumshefter, in dem die Leistung des Einzelnen durch die Praktikumsbetriebe bewertet wird.
Die Lern- und Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit wird in Praktikumseinschätzungen dokumentiert. In auswertenden Gesprächen zur Praxisarbeit sollen die Jugendlichen sich vor allem ihrer Stärken und Schwächen besser bewusst werden.
Sollten Jugendliche das Ziel der einfachen Berufsbildungsreife nicht erreichen und damit ohne Abschluss aus dem Projekt entlassen werden, sollen in eine weiterführende berufliche Förderung integriert werden. Zum Erreichen dieses Zieles nutzen wir u.a. die Kompetenzen unserer Partner, z.B. bei der Agentur für Arbeit.
 

Anforderungen an den Träger

Der Träger des Schulprojektes sollte über umfassende Erfahrungen in der Umsetzung von pädagogischen Konzepten zur Unterstützung der Zielgruppe sowie in der Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrkräften verfügen.
Wichtig ist hier insbesondere geeignetes Fachpersonal für die sozialpädagogische, werk-  und erlebnispädagogische bzw. lerntherapeutische und kreative Unterstützung der Zielgruppe.
Es sollte ein außerschulischer Lernort geboten werden, mit mindestens zwei Kassenzimmern und entsprechenden Gesprächsräumen für die Einzel- und Gruppenarbeit sowie ein entsprechendes Außengelände für die Betätigung im Freien. Der Ort soll entsprechend den Bedürfnissen der Zielgruppe geschützt sein.

Qualitätsstandards

Der Träger des Schulprojektes sollte über umfassende Erfahrungen in der Umsetzung von pädagogischen Konzepten zur Unterstützung der Zielgruppe sowie in der Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrkräften verfügen.
Wichtig ist hier insbesondere geeignetes Fachpersonal für die sozialpädagogische, werk-  und erlebnispädagogische bzw. lerntherapeutische und kreative Unterstützung der Zielgruppe.
Es sollte ein außerschulischer Lernort geboten werden, mit mindestens zwei Kassenzimmern und entsprechenden Gesprächsräumen für die Einzel- und Gruppenarbeit sowie ein entsprechendes Außengelände für die Betätigung im Freien. Der Ort soll entsprechend den Bedürfnissen der Zielgruppe geschützt sein.